Seinen 83. Geburtstag mit einem Beitrag zu feiern, ging nicht; da war unsere Site noch gar nicht online. Weil ich indes gerade bei der Illusionsmalerei hängengeblieben bin, möchte ich ihn wieder mal in Erinnerung rufen. Die Rede ist von Richard Estes. Die Stiftung Ludwig hat zwei Bilder von ihm. Sonst ist er an heimischen Wänden so gut wie nicht präsent.

Der Stil des Fotorealismus entstand in den späten 1960er und frühen 70er Jahren. Als erster öffentlicher Auftritt kann die documenta 5 (1972) angesehen werden, wo auch Richard Estes vertreten war. Der Fotorealismus brach langjährige Tabus, die vor allem im deutschsprachigen Raum gegenüber einem abbildenden Realismus existierten und in Abgrenzung gegen das Kunstdiktat des Nationalsozialismus und gegen den Sozialistischen Realismus entstanden waren. Estes Bilder sind jedoch keine rein oberflächliche Wiedergabe des Gesehenen. Er kombiniert die Blickwinkel und Ausschnitte verschiedener Fotografien miteinander – er ist mehr Hyper- als Fotorealist. Durch Spiegelungen und Lichtreflexe wird die Darstellung verfremdet und die Wahrnehmung des Betrachters in Frage gestellt.